Amtsdeutsch vermeiden

Im auch in der Wohnungswirtschaft immer wieder gern verwendeten Amtsdeutsch findet man häufig unnötige Substantivierungen. Da wird nicht gekündigt, sondern die Kündigung wird ausgesprochen. Es wird nicht abgerechnet, sondern die Abrechnung wird erteilt. In einer Hausordnung heißt es schon einmal: „Das Fussballspielen und Radfahren in den Anlagen ist nicht erlaubt.“ Und wenn der Aufzug defekt ist, steht auf dem Informationsschild an der Tür „Die Instandsetzung des Aufzuges erfolgt am morgigen Mittwoch.“ statt „Der Aufzug wird am Mittwoch repariert.” Ein schönes Beispiel konnte ich einem Lehrbuch zum Mietrecht entnehmen. In einem Beitrag zum Thema Untervermietung findet sich folgendes unfassbare Satzungetüm: „Die Klausel kommt dann in Wegfall, ohne das auf den Vermieter Weiterungen zukommen.” (Schach, Mietrecht, § 2 , Rn. 92). Im gleichen Werk, dass auch Beispielstexte enthält, werden Rechtsanwälte zumeist mit der Interessenvertretung betraut statt dass sie deren Interessen vertreten. In einem anderen Buch heißt es:„Dem Vermieter obliegt gem. § 535 Abs. 1 S. 2 BGB die Verpflichtung…” (Hannemann/Wiegner, Münchener Anwaltshandbuch Mietrecht, § 19, Rn. 2). Abgesehen davon, dass es juristisch falsch ist, da Obliegenheiten und Verpflichtungen unterschiedliche Rechtsinstitute sind, wäre es viel einfacher zu schreiben:„Der Vermieter ist verpflichtet…”. Ein Anwalt schrieb in einem Text zum Recht des Vermieters, die vermietete Wohnung zu besichtigen: „Nach dem Wortlaut der Vorschrift umfasst der Anspruch auf Duldung nicht nur die Vornahme der Durchführung der Erhaltungsarbeiten, sondern auch deren Vorbereitung.” Oder weiter: „Der Mieter hat die Betretung und Besichtigung auch vor der Durchführung von Modernisierungsmaßnahmen zu dulden.” Man muss kein Poet sein, um sich bei solchen Sätzen entsetzt abzuwenden.

Man findet solche Formulierungen aber nicht nur im Mietrecht. So müssen in einer Wohnungseigentümergemeinschaft die Eigentümer über eine Reparatur des Gemeinschaftseigentums beschließen. Zumeist erfolgt aber die Herbeiführung einer Beschlussfassung durch die Eigentümergemeinschaft.

Bei Substantivierungen nimmt man ein Verb (abrechnen) und macht daraus ein Substantiv (Abrechnung). Dann benötigt man ein weiteres Verb, um daraus einen Satz mit einer Aussage zu formulieren. Häufig sind es Verben wie passieren, ereignen, geschehen oder erfolgen und Substantive, die auf „ung“ enden.

Durch solche Substantivierungen wird die eigentliche Aktion in den Hintergrund gerückt. Es wird daraus ein „entpersonalisiertes Passieren” (Baumert, Professionell texten, Seite 50). Der Text büßt an Lebendigkeit und Verständlichkeit ein. Daher sollte man Substantivierungen vermeiden und aktive Verben nutzen, die genau zeigen, was passiert.

Und lassen Sie sich nicht weismachen, dass das Amtsdeutsch in behördlichen und juristischen Texten seine Berechtigung hätte (So aber Duden, Stilsicher schreiben, Seite 57). Das ist nicht richtig. Seine einzige Berechtigung besteht darin, die Über- und Unterordnung zwischen dem Schreiber und dem Adressaten zu betonen. Genau das sollte in einer modernen und auf den Menschen bezogenen Gesellschaft die Folge von Kompetenz, nicht aber von Sprache sein. Dass gilt erst recht dann, wenn es sich bei der „Verwaltung” nicht um eine Behörde, sondern um eine Immobilienverwaltung handelt. Selbst dann, wenn Sie für jede freie Wohnung 100 Bewerber haben. Wenn überhaupt sollte der Mieter als Kunde übergeordnet sein, nicht jedoch Sie als Mitarbeiter des Vermieters.

Bild: CrazyCloud / Fotolia

 

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