Anregung

Wohnungswirtschaftliche Texte befassen sich zumeist mit trockenen bürokratischen Themen. Je trockener das Thema ist, um so wichtiger sind Anreize, die dazu motivieren, gründlich und bis zum Ende zu lesen. Dies hat viel mit dem Layout der Texte und persönlicher Ansprache zu tun, aber auch mit den Formulierungen. So kann man beispielsweise durch sprachliche Bilder, anschauliche Beispiele, Illustrationen oder provokante Fragestellungen zusätzliches Interesse wecken.

Am wichtigsten sind dabei die Beispiele. „Zeigen, nicht berichten”, lautet eine Grundregel des kreativen Schreibens (Hoffmann, Besser schreiben für Dummies, Seite 163). Sie gilt auch für das mieterorientierte Schreiben in einem Wohnungsunternehmen. Sie gilt dort erst recht, da es anders kaum möglich ist, komplizierte Sachverhalte und Rechtsfragen einem heterogenen Publikum näherzubringen. Natürlich können Sie versuchen, den Mietern abstrakt zu erklären, was eine Modernisierungsankündigung ist und welche mietrechtlichen Konsequenzen sie hat. Besser ist es jedoch, wenn Sie dies anhand eines konkreten Beispielsfalls tun.

Beispiele sind vor allem dort sinnvoll, wo es nicht sowieso um einen konkreten Sachverhalt geht. In einer fristlosen Kündigung müssen Sie nicht anhand eines Beispiels erläutern, was eine fristlose Kündigung ist. Aber in den allgemeinen Erläuterungen zur Betriebskostenabrechnung sollten Sie die erforderlichen Angaben nicht abstrakt, sondern beispielhaft erläutern. Beispiel: Im Rahmen der Hauswartkosten rechnen Sie die Lohnnebenkosten ab. Erläutern Sie, dass es sich dabei um die Beiträge zur Arbeitslosen-, Renten und Krankenversicherung handelt. Erst recht müssen Sie mit Beispielen arbeiten, wo schon der Text an sich abstrakt ist, also zum Beispiel in einem Artikel für die Mieterzeitung. Natürlich sind auch dort allgemeine Ausführungen erforderlich, um den Rahmen des Themas abzustecken. Ausfüllen sollten Sie ihn jedoch mit Beispielen, die dem Mieter deutlich machen, worum es konkret geht.

Ein weiteres wichtiges Mittel, um wohnungswirtschaftliche Texte anregender und überzeugender zu gestalten, sind Zitate. Dabei denke ich jetzt nicht an Großmeister wie Goethe, Einstein oder Twain. Die haben in Schreiben, Erklärungen oder Abrechnungen des Vermieters nichts zu suchen. Sehr wohl zitieren darf und sollte man das Gesetz, den Bundesgerichtshof, Fachleute (Zum Beispiel einen Tischler, der sich die vom Mieter monierten Fenster angesehen hat) oder auch Dritte, die etwas mit dem Inhalt des Schreibens zu tun haben (Zum Beispiel den Nachbarn, der etwas zur Lautstärke und Dauer der letzten Geburtstagsparty des abgemahnten Mieters beitragen kann). Ihre Ausführungen kann man gerne wörtlich in die entsprechenden Texte übernehmen. Das wirkt authentisch und überzeugend. Entscheidend ist dabei, dass das Zitat korrekt ist (Stichwort: Wahrhaftigkeit). Es ist daher strikt verboten, ein Zitat zu verwenden, dass man nicht belegen kann. Entweder macht man sich die Mühe, sich den Text, den man zitieren möchte, zu besorgen. Oder man verzichtet auf das Zitat. Aber das wäre bei einem passenden Zitat sehr bedauerlich.

Aber Achtung: Wie bei der Kürze sollte man nicht übertreiben. Eine Modernisierungsankündigung ist kein Essay. Deshalb sollte man zurückhaltend sein mit rhetorischen Figuren wie Hyperbeln (Übertreibungen), Alliterationen (Der gleiche Anlaut in aufeinanderfolgenden Wörtern) oder Anaphern (Die Wiederholung eines Wortes am Anfang aufeinanderfolgender Sätze). Wohnungswirtschaftliche Texte bleiben bei allem Bemühen um Verständlichkeit und Anregung in erster Linie sachliche Botschaften im Rahmen eines Vertragsverhältnisses.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere