Das Hamburger Verständlichkeitsmodell

Es gibt Modelle, die versuchen, dem Problem der Verständlichkeit von Texten mit mathematischen Methoden auf die Spur zu kommen, sogenannte Lesbarkeitsindizes, die Auskunft über die Verständlichkeit geben sollen. Die wohl bekanntesten sind der „Reading Ease“ nach Robert Flesch und die Wiener Sachtextformel. Sie untersuchen die Anzahl und Länge der Silben, Wörter und Sätze und setzen diese Zahlen in Beziehung zueinander. Dadurch erfährt man jedoch nur etwas über die Lesbarkeit eines Textes, nicht über seine Verständlichkeit, da sich die Berechnungen am Satz orientieren, nicht am Text (Baumert, Professionell texten, Seite 35). Lesbarkeit ist ein wichtiges Kriterium von Verständlichkeit, aber nicht das einzige. Die Ergebnisse der Formeln bieten daher nur ein Indiz für Verständlichkeit, mehr nicht.

Ein anderer Ansatz ist das „Hamburger Verständlichkeitsmodell“. Ab Ende der sechziger Jahre wurde es von den drei Hamburger Psychologieprofessoren Friedemann Schulz von Thun, Inghard Langer und Reinhard Tausch entwickelt. Nach dem Hamburger Modell zeichnen einen verständlichen Text vier Eigenschaften aus:

1.Er ist einfach geschrieben.

2.Er ist gut gegliedert.

3.Er ist kurz, aber nicht zu kurz.

4.Er regt zum Lesen an.

Zur Bewertung wird eine einfache vierteilige Skala genutzt: ++, +, — und ——.

Die beste Bewertung erhält ein Text, der einfach geschrieben ist, eine klare Gliederung aufweist, kurz, aber auch nicht zu kurz ist und die eine oder andere Anregung zum Weiterlesen enthält. Im Schema des Hamburger Modells bekommt er die folgende Bewertung:

1.Einfache Sprache++

2.Gliederung++

3.Kürze+

4.Anregung+

Natürlich hat auch dieser Ansatz seine Grenzen. Insbesondere ersetzt er nicht die Erfahrung, die man braucht, um so zu schreiben. Aber er zeigt auf, welche Eigenschaften ein guter und verständlicher Text haben sollte.

 

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