Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Die Einwohnerzahl Deutschlands steigt aufgrund der überdurchschnittlich hohen Wanderungsgewinne seit 2012 wieder an. Das Statistische Bundesamt (Pressemitteilung Nummer 244 vom 27. Juni 2019) geht davon aus, dass Ende 2018 etwa 83 Millionen Menschen in Deutschland gelebt haben. Wie das Amt weiter mitteilt, hat die Bevölkerungszahl damit erstmals die Marke von 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern überschritten.

Die steigende Bevölkerungszahl ist darauf zurückzuführen, dass 386.000 Personen mehr zu- als abwanderten (Wanderungsüberschuss 2017: +416.000 Personen). Gleichzeitig überstieg die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten um 167.000 (Geburtendefizit 2017: 147.000 Personen). Somit war der Wanderungsüberschuss etwas niedriger und das Geburtendefizit höher als im Vorjahr. Infolgedessen fiel das Bevölkerungswachstum insgesamt geringer aus als in den beiden Vorjahren (2017: +271 000 oder +0,3 %; 2016: +346 000 oder +0,4 %).

Schon seit 2010 gewinnt Deutschland durch reguläre Arbeitsmigration jährlich mehr Einwohner hinzu. Dafür sind zwei Faktoren ausschlaggebend: Zum einen ermöglicht der Wegfall der meisten Freizügigkeitsbeschränkungen mehr Zuwanderung aus den EU-Ländern Ost- und Südosteuropas, die der EU erst vor wenigen Jahren beigetreten sind. Zum anderen hat die andauernde Wirtschaftskrise in weiten Teilen Europas, begleitet von einer hohen Arbeitslosigkeit in den betroffenen Ländern, Deutschland als Arbeitsmarkt deutlich attraktiver gemacht. Durch die robuste Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre ist Deutschland als Zielland der europäischen Binnenmigration attraktiv (GdW, Wohnungswirtschaftliche Daten und Trends 2016/2017, Seite 24).

Seit 2015 wurde dieser Trend durch die erhöhte Flüchtlingszuwanderung verstärkt. Spätestens mit ihrer Asyl- und Flüchtlingsanerkennung haben Flüchtlinge das Recht, eine eigene Wohnung zu beziehen und werden dann als Nachfrager auf dem regulären Wohnungsmarkt relevant.

Die Bevölkerungsentwicklung verläuft regional unterschiedlich: In absoluten Zahlen stieg die Bevölkerungszahl am stärksten in Bayern (+79.500), gefolgt von Baden-Württemberg (+46.100) und Berlin (+31.300). Prozentual hatten Berlin (+0,9 %), Bayern und Hamburg (jeweils +0,6 %) die höchsten Zuwächse. Dagegen ging die Bevölkerungszahl in Sachsen-Anhalt (-14.800 oder -0,7 %), Thüringen (-8.100 oder -0,4 %) und im Saarland (-3.700 oder -0,4 %) zurück. Ein Ost-West-Gefälle bleibt sichtbar: Die Bevölkerungszahl stieg in allen westlichen Ländern mit Ausnahme des Saarlands an. Insgesamt nahm die Bevölkerung im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) um 215.300 Personen zu (+0,3 %). In den neuen Bundesländern verzeichnete lediglich Brandenburg einen Zuwachs (+7.900 oder +0,3 %), in den anderen Ländern war die Bevölkerungszahl rückläufig oder nahezu konstant. Insgesamt nahm die Bevölkerung der neuen Bundesländer (ohne Berlin) um 19.800 Personen (-0,2 %) leicht ab.

Als weitere Entwicklung hinzu kommt eine vor allem von jungen Menschen getragene Binnenwanderung, die zum studieren oder zum Arbeiten in die Städte ziehen. Im Wintersemester 2019/2020 waren rund 2.897.336 Studentinnen und Studenten  an einer deutschen Hochschule immatrikuliert. Damit erhöhte sich die Zahl der Studierenden im Vergleich zum Wintersemester 2018/2019 um 29.100 (+1,0 %). Im Zehnjahresvergleich sind damit aktuell rund 37 % mehr Studierende an den deutschen Hochschulen immatrikuliert (Wintersemester 2009/2010: 2.121.200 Studierende).

Als einkommensschwache Haushalte sucht der überwiegende Teil der Studierenden Wohnungen im unteren Preissegment. Die Nachfrage richtet sich dabei auf preisgünstige kleine Wohnungen oder Wohnungen, die vom Grundriss her für Wohngemeinschaften geeignet sind. Die Situation wird sich in den nächsten Jahren nicht entspannen (GdW, Wohnungswirtschaftliche Daten und Trends 2016/2017, Seite 29/30).

Die Großstädte, die Ballungszentren und die Universitätsstädte wachsen durch ihre Binnen- und Außenwanderungsgewinne. Der ländliche Raum verliert dagegen deutlich an Einwohnern. Nur knapp 28 % aller Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland weisen eine wachsende Bevölkerungszahl auf. Hier leben allerdings rund 38 % aller Haushalte und knapp 45 % aller Mietwohnungen liegen in diesen Räumen (GdW, Wohnungswirtschaftliche Daten und Trends 2016/2017, Seite 8).

Die Bevölkerungsentwicklung in Berlin

Was für die deutschen Großstädte insgesamt gilt, gilt in besonderem Maße für Berlin: Die Stadt wächst seit Jahren, ein Ende dieser Entwicklung ist aktuell nicht absehbar. Ende Juni 2019 wohnten offiziell 3.652.640 Menschen in der Stadt, was einen neuen Höchstwert seit Anfang der 40-er Jahre des letzten Jahrhunderts bedeutet. Allerdings nimmt die Wachstumsdynamik ab. Nach einer Pressemitteilung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg vom 6. November 2019 verzeichnete die Stadt am 30. Juni 2019 den geringsten Bevölkerungszuwachs in einem Halbjahr seit dem Zensus 2011. Das liegt an der anhaltend hohen Abwanderung nach Brandenburg und der etwas geringeren Zuwanderung aus dem Ausland. Im gesamten Jahr 2018 gab es gegenüber dem Vorjahr noch ein Bevölkerungsplus von 31.300 Personen (+0,9 Prozent, Pressemitteilung Nr. 132 vom 17. Juni 2019).

Im 1. Halbjahr 2019 betrug der Wanderungsgewinn Berlins 8.454 Personen und lag damit nur halb so hoch wie im vorangegangen Halbjahr. Aus dem Ausland wanderten 11.729 Personen mehr nach Berlin als fortzogen. Der Spreemetropole kehrten im Saldo 7.569 Personen den Rücken und zogen nach Brandenburg. Davon zogen 5.780 Personen in das Berliner Umland und 1 789 Personen in den Weiteren Metropolenraum. Alle Landkreise und Potsdam sowie Brandenburg an der Havel verbuchten Wanderungsgewinne aus Berlin.

Im 1. Halbjahr 2019 wurden in Berlin 18.558 Kinder geboren, 645 weniger als im Vorjahreszeitraum. Werden die 17.709 Sterbefälle der ersten Jahreshälfte 2019 abgezogen, ergibt sich ein Geburtenüberschuss von 849 Personen.

Berlin ist als Wohn-, Arbeits- und Studienort vor allem für junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren aus dem In- und Ausland attraktiv (IBB Wohnungsmarktbericht 2017, Seite 12). Von 2011 bis 2018 wuchs die Stadt von 3.326.002 um 318.824 auf 3.644.826 Einwohner. Bei durchschnittlich 1,8 Personen pro Haushalt ergibt allein dies einen zusätzlichen Bedarf von fast 180.000 Wohnungen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, insbesondere im „Statistischen Jahrbuch 2018”.

Die Zahl der Haushalte

Im Jahr 2018 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Pressemitteilung Nr. 272 vom 16. Juli 2019) 41,4 Millionen private Haushalte in Deutschland. Darunter hatten die Einpersonenhaushalte mit 42 % den größten Anteil. Damit lebten rund 17,3 Millionen Menschen oder etwa jede fünfte Person in Deutschland in einem Einpersonenhaushalt. In 58 % der Haushalte (24 Millionen) lebten zwei oder mehr Personen. Unter den Mehrpersonenhaushalten hatten Zweipersonenhaushalte mit 34 % aller Haushalte den größten Anteil. Dreipersonenhaushalte machten 12 % und Vierpersonenhaushalte 9 % aus. Nur in 3 % der Haushalte lebten fünf oder mehr Personen. Damit hielt der langfristige Trend zu kleineren Haushalten an: Von 1991 bis 2018 ging die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,27 Personen auf 1,99 Personen zurück.

Im Vergleich mit dem Jahr 1991, in dem es 35,3 Millionen Haushalte gab, hat die Zahl der Haushalte um 17 % zugenommen. Besonders stechen hier die Einpersonenhaushalte hervor, deren Anzahl um fast die Hälfte (46 %) gestiegen ist. Aber auch die Zahl der Zweipersonenhaushalte stieg um 29 %. Haushalte mit drei oder mehr Personen haben im Zeitverlauf hingegen um 20 % abgenommen.

Im Zeitvergleich zählte der Mikrozensus 1991 etwa 80,2 Millionen Haushaltsmitglieder am Haupt- und Nebenwohnsitz in Privathaushalten. Für das Jahr 2018 stieg die Zahl um 3 % auf 82,5 Millionen.

Während die Anzahl der Hauhalte in den westdeutschen Flächenländern von 2015 bis 2035 voraussichtlich um 7 % und in den Stadtstaaten sogar um 13 % steigen wird, wird sie in den ostdeutschen Flächenländern um ca. 3 % abnehmen.

Bild: Graphithèque / Fotolia

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