Fahrstuhl des Grauens

So heißt ein niederländischer Film aus dem Jahr 1983, in dem ein Aufzug ein Eigenleben entwickelt und Fahrgäste dahinrafft. Auch im wahren Leben kommt es hin und wieder zu tödlichen Unfällen mit Aufzügen: Menschen werden von ihnen zerquetscht oder sie verhungern in einem steckengebliebenen Aufzug.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, wegen einem Aufzug das Leben zu verlieren, rein statistisch verschwindend gering ist (Aufzüge gelten als die sichersten Verkehrsmittel. 2013 kam es in Deutschland nur zu 5 Toten durch Aufzüge), beschleicht auch mich ab und an ein mulmiges Gefühl, wenn ich einen dieser Aufzüge nutzen muss, die so alt aussehen wie sie sind. TÜV-Plakette hin oder her.

Gefährlich kann ein Aufzug aber auch dann sein, wenn er gar nicht erst benutzt werden kann, weil er defekt ist. So berichtet die Berliner Zeitung am 6. Dezember 2017 von einem herzkranken 63-jährigen Mann, der starb, weil er wegen eines defekten Aufzuges die Einkäufe in seine Wohnung in der 9. Etage tragen musste. Die Anstrengung hat sein krankes Herz überfordert. Andere alte Menschen im selben Haus verlassen ihre Wohnung seit Monaten nicht, weil der Aufzug nicht repariert wird.

Die Rechtslage in diesem Fall ist klar:

  • Der Vermieter muss den Aufzug sofort reparieren.
  • Die Mieter dürfen die Miete mindern.
  • Die Mieter haben ein Zurückbehaltungsrecht an der Miete.
  • Die Mieter haben Schadensersatzansprüche, die auch den Mehraufwand für die Anlieferung von Lebensmitteln umfassen dürften.

Unabhängig davon fragt man sich:

  • Auch wenn die Reparatur von alten Aufzügen wegen der schwierigen Ersatzteilversorgung durchaus länger dauern kann, hat man nicht den Eindruck, dass der Vermieter im vorliegenden Fall alles ihm mögliche getan hat, damit der Aufzug wieder funktioniert. Dann hätte man davon sicher gehört. Was für ein armseliges Selbstverständnis eines Vermieters kommt darin zum Ausdruck.
  • Konsequenterweise hat der Vermieter im vorliegenden Fall nicht nur nichts unternommen, sondern die Mieter auch nicht informiert. Dabei weiß jeder Profi, dass Mängel nur halb so schlimm sind, wenn man die Betroffenen über das Problem und die eingeleiteten Maßnahmen auf dem Laufenden hält. Wenn man nichts unternimmt könnte das allerdings peinlich werden.
  • Man fragt sich auch, warum die Wohnungsaufsicht in diesen Fällen nicht aktiv geworden ist. Nach § 9 Absatz 1 Wohnungsaufsichtsgesetz (WoAufG Bln) kann die Wohnungsaufsichtsbehörde die erforderlichen Anordnungen treffen, damit Gebäude mit Wohnungen oder Wohnräumen so instandgesetzt werden, dass die Bewohner nicht gefährdet oder unzumutbar belästigt werden oder dass der bestimmungsgemäße Gebrauch von Gebäuden oder Außenanlagen nicht erheblich beeinträchtigt wird. Dies ist nach § 9 Absatz 2 Nummer 5 WoAufG Bln auch dann der Fall, wenn Treppen, Aufzüge und allgemein zugängliche Räume einschließlich ihrer Beleuchtungsanlagen sich nicht ordnungsgemäß benutzen lassen. Wenn hier seit Monaten nichts geschieht, ist das auch ein Verstoß gegen das WoAufG.  

Am Ende bleibt die Erkenntnis, das wie so oft das Gesetz ausreichend ist, aber weder die Mieter noch die zuständigen Behörden etwas daraus machen.

Bild: Onidji / Fotolia

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