Hausnummer (Grundstücksnummer)

Jedes Gebäude muss über die Straße und die Hausnummer identifiziert werden können. Sie dienen der Orientierung und sind vor allem bei Notfalleinsätzen für Feuerwehr, Polizei, Not-, Rettungs- und Entstörungsdienste zum schnellen Auffinden unverzichtbar. Der Eigentümer hat sein Grundstück daher nach § 126 Absatz 3 BauGB mit der von der Gemeinde festgesetzten Nummer zu versehen. Im Übrigen gelten die landesrechtlichen Vorschriften.

In Berlin ist die Nummerierung durch die „Verordnung über die Grundstücksnumerierung (Numerierungsverordnung – NrVO)” geregelt. Nach deren § 1 Absatz 1 sind für die an Straßen angrenzenden oder von Straßen aus zugänglichen Grundstücke Grundstücksnummern festzusetzen (Die Verordnung spricht von Grundstücksnummern, weil nicht nur bebaute sondern auch unbebaute Grundstücke Nummern erhalten. Umgangssprachlich wird eher der Begriff der Hausnummern benutzt).

Nach § 2 Absatz 1 der NrVO sind die Grundstücke an den Straßen zu numerieren, von denen sie ihren Zugang haben. Grundstücke mit mehreren Hauseingängen oder Zugängen erhalten jeweils so viele Grundstücksnummern, wie für den allgemeinen Verkehr benötigt werden. Eckgrundstücke mit 2 Zugängen können also auch 2 Hausnummern haben.

Nach § 2 Absatz 2 Satz 1 der NrVO sind die Grundstücke an Straßen, die in Richtung vom historischen Stadtkern Berlins (Historischer Stadtkern Berlins im Sinne der Numerierungsverordnung ist der Bereich um das Berliner Stadtschloß) nach außen führen, in der gleichen Richtung zu numerieren. Aufgrund dieser Regelung gibt es in Berlin viele Straßen wie z.B. die Bismarckstraße, bei der die Hausnummern laufend auf der nördlichen Straßenseite vom Ernst-Reuter-Platz aus Richtung Westen bis zum Sophie-Charlotte-Platz (Nummer 1 bis 67) hochgezählt und auf der südlichen Straßenseite vom Sophie-Charlotte-Platz (Nummer 68 bis 111) bis zum Ernst-Reuter-Platz runtergezählt werden. Diese Zählweise wird auch als „Hufeisenprinzip” bezeichnet. Die Hausnummern steigen auf der einen Straßenseite bis zum Straßenende an, auf der anderen Seite wird dann den Weg zurück bis zum Ausgangspunkt weitergezählt. Gegenüber der Hausnummer 1 liegt also die höchste Hausnummer der Straße. Die Quersumme gegenüberliegender Hausnummern ist dadurch stets gleich. Den amerikanischen Autor Mark Twain schrieb dazu nach einem Besuch Berlins im Jahr 1892: „Bei den Hausnummern herrscht ein Chaos wie vor der Erschaffung der Welt. Unmöglich kann die weise Berliner Stadtregierung Derartiges geschaffen haben. Zuerst denkt man, dies sei die Tat eines Blödsinnigen; allein, so mannigfaltige Arten, Verwirrung und Unheil anzurichten, wäre ein Blödsinniger nicht imstande, sich auszudenken.” Das System geht zurück auf König Friedrich Wilhelm III, der damit Paris als Vorbild folgte. Es hat jedoch den Nachteil, dass Straßen sich nach erstmaliger Nummerierung nicht verändern, insbesondere nicht verlängern dürfen, da man dem in sich geschlossenen Hufeisen keine Nummern mehr hinzufügen kann. Genau dies war jedoch in Berlin der Fall.

Wieder nach Pariser Vorbild änderte Berlin ab 1927 das System und stellte auf die Zickzack-Methode um. In diesem System steigen die Hausnummern rechts und links jeweils an. Auf der einen Straßenseite liegen dabei die geraden Nummern, auf der anderen Seite die ungeraden. Überall sonst in Deutschland ist dieses System ebenfalls üblich. Da in Berlin erst ab 1927 damit begonnen wurde, neu angelegte Straßen so zu nummerieren, die alten Straßen ihre Nummerierung nach dem Hufeisenprinzip jedoch beibehielt, gibt es in der Stadt heute 2 Systeme. Wo in Berlin welches Prinzip angewendet wird, kann man sich auf einer Karte des Tagesspiegel ansehen. Näheres zur Geschichte der Berliner Hausnummerierung findet man auch in einem Artikel des Tagesspiegel vom 12. April 2016.

Sie sind auch so rechtlich in der NrVO verankert. Nach § 2 Absatz 2 Satz 2 der NrVO sind nämlich die Grundstücke an den übrigen Straßen im Sinne der Drehung des Uhrzeigers mit dem Stadtkern als Drehpunkt zu numerieren. Die Grundstücke sind nach § 2 Absatz 3 der NrVO wechselseitig zu numerieren. Die ungeraden Zahlen sind für Grundstücke an der linken, die geraden Zahlen für Grundstücke an der rechten Seite der Straße zu verwenden. Die laufenden Nummern springen bei diesen Straßen daher immer von einer Straßenseite auf die andere, also die 10 ist links, die 11 rechts, die 12 wieder links und so weiter. Das ist die übliche Methode, wie sie auch in den meisten Städten verwendet wird.

An Plätzen können die Grundstücke nach § 2 Absatz 4 der NrVO abweichend von den Absätzen 2 und 3 auch fortlaufend im Sinne der Drehung des Uhrzeigers mit der Platzmitte als Drehpunkt numeriert werden.

In besonderen Fällen können nach § 2 Absatz 5 der NrVO als Grundstücksnummern auch Zahlen mit Buchstabenzusatz (Großbuchstaben) festgesetzt werden. Die Hausnummer lautet dann 18A (nicht 18a).

Die Festsetzung der Grundstücksnummern ist nach § 6 Absatz 1 NrVO im Amtsblatt für Berlin bekanntzumachen und den zum Anbringen der Grundstücksnummern Verpflichteten zusammen mit den Maßgaben der festsetzenden Behörde nach dieser Verordnung besonders bekanntzugeben. Die Nummerierung der Grundstücke ist eine Ordnungsaufgabe der Bezirksämter, welche von den V ermessungsämtern der Bezirke wahrgenommen wird. Die Nummerierung gehört nach § 24 Nummer 7 des Gesetzes über das Vermessungswesen in Berlin zu den öffentlichen Vermessungsaufgaben.

Weitere Einzelheiten regeln die „Ausführungsvorschriften
zur Verordnung über die Grundstücksnumerierung (AV NrVO)”.

Die festgesetzten Grundstücksnummern sind nach § 3 Absatz 1 NrVO auf Verlangen der festsetzenden Behörde an den von ihr dafür vorgesehenen Hauseingängen und Zugängen anzubringen. Die Grundstücksnummern müssen nach § 3 Absatz 3 NrVO vom Gehweg und von der Fahrbahn der Straße aus leicht erkennbar und deutlich lesbar sein.

Die Grundstücksnummern müssen nach § 4 Absatz 1 NrVO aus wetterfesten Stoffen bestehen. Die Zahlen müssen sich in der Farbe deutlich vom Untergrund abheben und mindestens 10 cm hoch sein. Sie sind an von innen zu beleuchtenden Körpern anzubringen oder mit einer besonderen Lichtquelle zu versehen (Nummernleuchten), damit die Häuser auch im Dunkeln gefunden werden können. Die zum Anbringen der Grundstücksnummern Verpflichteten haben dafür zu sorgen, daß die Grundstücksnummern während der Dunkelheit ausreichend beleuchtet sind. Die Grundstücksnummern sind in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.

Ein Verstoß gegen die Vorgaben der NrVO kann nach § 7 NrVO als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Karten mit Grundstücksnummerierungen findet man im Internet, beispielsweise bei openstreetmap.org

Bild: Fotoschlick / Fotolia

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