Kürze

Ein guter Text ist kurz, aber nicht zu kurz. So kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig. Dies erreicht nur, wer mit dem Thema, über das geschrieben werden soll, vertraut ist. Nur dann kann man beurteilen, ob der Text alle erforderlichen Informationen enthält. Wenn dies erreicht ist, ist mehr nicht nötig. Meistens werden wohnungswirtschaftliche Texte zu lang, vor allem aus Sorge, rechtlich relevante Informationen zu vergessen. Andererseits muss er so ausführlich sein, dass der Mieter den Text verstehen kann. Zu knappe Texte können ebenso unverständlich sein wie zu lange. Das richtige Maß zu entwickeln ist eine Aufgabe, die viel Arbeit und Erfahrung erfordert.

Dabei hilft es, wenn man kurze verständliche Sätze bildet. Wie kurz oder lang Sätze sein sollten, hängt auch von der Lesefähigkeit der Adressaten und der Lesesituation ab. Da die Mieter als Textadressaten eine heterogene Gruppe bilden, muss man sich darauf einstellen, dass die Lesefähigkeit nicht ausgeprägt ist. Geübte Leser stört das nicht. Sie lesen die Texte trotzdem. Nicht so geübte Leser sind dankbar. So ist am Ende allen gedient.

In der Literatur zum professionellen Texten werden bis zu 15 Wörter als vertretbare Satzlänge für verständliche Texte empfohlen (Baumert, Professionell texten, Seite 62; Duden, Stilsicher schreiben, Seite 115). Diese Empfehlung geht von einem Leser mit durchschnittlichen Deutschkenntnissen aus. Da es zumeist eine Reihe von ungeübten Lesern gibt, auch solche, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist, sollte der Wert bei wohnungswirtschaftlichen Texten eher geringer sein. Dabei sollte man differenzieren nach dem Inhalt und der Art des Textes. Auf einem Schild („Hunde bitte an der Leine führen“) oder bei der Hausordnung, die im Flur ausgehängt wird, sollten die Sätze kurz sein, also 5 bis höchstens 10 Wörter haben. In der normalen Korrespondenz, also in Angeboten, Mitteilungen, Mahnungen, etc., sollte man Normalsätze mit bis zu 25 Wörtern verwenden. In komplizierten Texten wie dem Mietvertrag, der Betriebskostenabrechnung oder einer Modernisierungsankündigung kann man auch einmal längere Sätze mit bis zu 35 Wörtern nutzen.

Um die Sätze kurz zu halten, sollte man auch darauf achten, keine unnötigen Wörter zu verwenden, die für die Aussage des Satzes nicht relevant sind. Das sind häufig die Adjektive, bei denen weniger meistens mehr ist (Duden, Stilsicher schreiben, Seite 94). Mahnt man einen Mieter ab, weil er sonntags Löcher für die Befestigung der neuen Küche in die Wände gebohrt hat, so muss man nicht betonen, dass der Krach laut war. Das steckt schon im Wort Krach selbst. Man kann den unangenehmen Geruch, um den es in einem anderen Fall geht, auch kurz Gestank nennen. Gerade bei den Adjektiven sollte man daher darüber nachdenken, ob sie sich nicht durch eine andere Wortwahl vermeiden lassen. Dass ist nicht immer, aber oft möglich.

Manchmal sind längere Sätze nicht vermeidbar. Dies gilt vor allem dann, wenn rechtliche Anforderungen einzuhalten sind. Sie sollten dann logisch formuliert und durch eine überlegte Gestaltung gut gegliedert werden. So lassen sich häufig tabellarische Aufzählungen einsetzen, die aus einem langen unverständlichen Satz einen kurzen nachvollziehbaren machen (Duden, Stilsicher schreiben, Seite 106).

Vermeiden sollte man Schachtelsätze (Hoffmann, Besser schreiben für Dummies, Seite 148). Sie sind für den Leser nur verständlich, wenn er sie gedanklich mühsam erst in die Einzelteile zerlegt und dann wieder zusammenfügt. Besser ist es, die Informationen für den Mieter nacheinander darzustellen. Denn als Leser erhält er sie sowieso linear von links nach rechts. Ein Satz sollte nicht mehr als ein oder zwei Informationen enthalten (Besser schreiben für Juristen: Das Ende des Nominalstils, Legal Tribune Online vom 2. Mai 2016). Der Satz „Die Betriebskosten, die, nachdem sie abgerechnet wurden, auf Ihren Widerspruch nochmals auf Plausibilität geprüft wurden, sind, soweit es das Wirtschaftlichkeitsgebot betrifft, nicht zu beanstanden.” ist eine Zumutung für den Leser (Und den Verfasser). Es ist besser, wenn Sie mehrere kurze Sätze schreiben, als alle Informationen in einen Schachtelsatz zu pressen. Und vorher sollten Sie Unnötiges streichen. Besser schreiben Sie: „Wir haben die Betriebskostenabrechnung nochmals überprüft und dabei keinen Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot festgestellt.” Wenn danach noch eine Begründung für Ihre Feststellung erfolgt, ist die Aussage nahezu perfekt.

Ein einfacher Hauptsatz, eventuell ergänzt um einen Nebensatz, ist immer noch die leserfreundlichste Art zu formulieren (Duden, Stilsicher schreiben, Seite 123). Dabei sollte man darauf achten, wo der Aussageschwerpunkt des Satzes liegt. „Wichtiges gehört in den Hauptsatz, Untergeordnetes gehört in den Gliedsatz und Belangloses gehört in den Papierkorb (Duden, Stilsicher schreiben, Seite 119)”. Es geht in der Kommunikation mit Mietern nicht um einen Literaturpreis, sondern um Verständlichkeit. Das ist allerdings kein Aufruf zu Langeweile. Die kann entstehen, wenn man einen kurzen Satz an den anderen reiht. Abwechslung gehört daher auch in den Satzbau. Einfachheit und Kürze sind als Grundprinzip zu verstehen, nicht als Dogma.

Bei der Lesesituation muss man unterscheiden zwischen der normalen schriftlichen Korrespondenz, die die Mieter in Ruhe zu Hause lesen können, und Aushängen oder Schildern. Für diese steht nur wenig Platz zur Verfügung und sie werden zumeist im Vorübergehen gelesen. Dementsprechend müssen die Sätze noch kürzer (Höchstens fünf Wörter) und prägnanter sein. Bei Schildern ist es daher auch vertretbar, die sonst verpönten Substantivierungen (siehe „Amtsdeutsch“) zu verwenden.

 

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