Messdienstleister (Submetering)

Zu den Heizkosten gehören nach § 2 Nummer 4 der BetrKV auch die Kosten der Anmietung oder anderer Arten der Gebrauchsüberlassung einer Ausstattung zur Verbrauchserfassung sowie die Kosten der Verwendung einer Ausstattung zur Verbrauchserfassung einschließlich der Kosten der Eichung sowie der Kosten der Berechnung und Aufteilung. Mit diesen Tätigkeiten beauftragen die Vermieter in der Regel einen der großen Messdienstleister.

Messdienstleister sind Unternehmen, die die Vermieter dabei unterstützen, ihren Abrechnungspflichten bei den verbrauchsabhängigen Betriebskosten (Heizung, Wassererwärmung, Wasser) nachzukommen. Dazu bieten sie die erforderlichen Messgeräte an, lesen sie ab und erstellen die verbrauchsabhängige Betriebskostenabrechnung.

Die bekanntesten Firmen sind

Die Ausstattung der Wohnungen mit Messgeräten sowie die Ablesung und Verteilung von Heizungs- und Warmkosten ist ein Milliardenmarkt mit wenigen Unternehmen, die den größten Teil des Kuchens unter sich aufteilen. Das Geschäftsfeld Submetering hatte im Jahre 2014 in Deutschland ein Umsatzvolumen von rund 1,47 Mrd. Euro. Submetering umfasst die verbrauchsabhängige Erfassung und Abrechnung von Heiz- und Wasserkosten in Gebäuden sowie die Überlassung der dafür benötigten messtechnischen Ausstattung wie Heizkostenverteiler oder Wärme- und Wasserzähler. Die Unternehmen erzielten einen durchschnittlichen Umsatz pro Wohneinheit und Jahr in Höhe von rund 74 Euro, wobei deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern festzustellen sind. Die Renditen der Submetering-Unternehmen sind nach Einschätzung des Kartellamtes verhältnismäßig hoch.

Das Bundeskartellamt hat die Branche daher 2017 unter die Lupe genommen und eine sogenannte Sektoruntersuchung im Bereich „Submetering” durchgeführt. Das Amt kann die Untersuchung eines bestimmten Wirtschaftszweiges durchführen, wenn besondere Umstände vermuten lassen, dass der Wettbewerb im Inland möglicherweise eingeschränkt oder verfälscht ist (sog. Sektoruntersuchung, § 32e GWB). Es handelt sich um eine Branchenuntersuchung, ausdrücklich aber nicht um ein Verfahren gegen bestimmte Unternehmen. Verfahren im Nachgang zu einer Sektoruntersuchung sind möglich, wenn sich ein Anfangsverdacht für einen Verstoß gegen Wettbewerbsvorschriften ergeben sollte.

Die Untersuchung des Bundeskartellamtes zeigt, dass die Anbieterseite hoch konzentriert ist. Auf die beiden Marktführer Techem und ista entfielen im Jahre 2014 zusammengenommen über 50 Prozent des Gesamtmarktvolumens und auf die größten fünf Anbieter insgesamt über 70 Prozent. Nach den Ermittlungen im Rahmen der Sektoruntersuchung bestehen erhebliche Anhaltspunkte für das Vorliegen eines wettbewerbslosen Oligopols, dem zumindest die beiden Marktführer, möglicherweise aber auch weitere der größten fünf Anbieter, angehören. Die Folge sind überhöhte Preise.

Zu den zentralen strukturellen Wettbewerbshemmnissen zählen die langen Vertragslaufzeiten, die unter anderem auf unterschiedliche Eichfristen für verschiedene Zählerarten zurückzuführen sind.

Außerdem ist die Preissensibiltät der Vermieter als Auftraggeber nur schwach ausgeprägt, da die Mieter überwiegend die Kosten des Submetering zu tragen haben, ohne selbst Vertragspartner der Ablesedienste zu sein. Vertragspartner sind üblicherweise die Vermieter, die die Kosten auf ihre Mieter umlegen. Zum anderen sind die Kosten des Submetering für die Nutzer im Gesamtkontext der Betriebskosten mit 2 bis 3 % für eine Durchschnittswohnung relativ gering.

Ein Wechsel des Anbieters wird auch durch technische Hürden zusätzlich erschwert. So verwenden die Ablesefirmen jeweils eigene Zählersysteme, die untereinander nur schwer kompatibel sind.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Wenige große Unternehmen beherrschen den Markt für Ablesedienste von Heiz- und Wasserkosten. Ein Anbieterwechsel ist regelmäßig mit hohen Kosten verbunden und durch lange Vertragslaufzeiten sowie technische Hürden zusätzlich erschwert. Es ist ein Grundproblem, dass die Kosten für das Ablesen in der Regel vom Mieter getragen werden, die Auswahl und die Beauftragung des Ablesedienstes hingegen der Vermieter trifft. Eine Belebung des Wettbewerbs kann im Ergebnis dazu führen, dass die Verbraucher weniger bezahlen müssen. Wir haben dazu in unserem Bericht Vorschläge für gesetzliche Maßnahmen formuliert. Außerdem behalten wir uns vor, marktabschottende Verhaltensweisen der Anbieter genauer zu prüfen.”

Um die genannten Wettbewerbshemmnisse abzubauen, empfiehlt das Bundeskartellamt

  • die Förderung der Interoperabilität von Zählern,
  • eine Vereinheitlichung der Eichfristen und Nutzungsdauern der Zähler,
  • eine verbesserte Transparenz für die Wohnungsmieter durch Informationsrechte und Ausschreibungspflichten.
 Bild: SZ-Designs / Fotolia

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