Verständlichkeit

„Millionen von Menschen müssen unnötig viel Zeit aufwenden und werden häufig verdrossen, weil die Schreiber vieler Texte sich nicht verständlich ausdrücken. Viele Millionen Menschen erleiden Nachteile, weil sie die kompliziert gehaltenen Texte nicht oder nur teilweise verstehen. So hatten wir Autoren selbst Schwierigkeiten, die Bekanntmachungen zum Mietrecht (zur Mietrechtsreform 2001, d.A.) zu verstehen” (Langer, Sich verständlich ausdrücken, Seite 9).

So beschreiben Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun und Reinhard Tausch in ihrem Standardwerk „Sich verständlich ausdrücken” die Problematik, vor der auch Mieter täglich stehen, wenn sie Post von ihrem Vermieter bekommen. Und sie liefern die Lösung gleich mit: Eine einfache, geordnete, kurze, prägnante und anregende Gestaltung von Texten. Getragen von Achtung und Wertschätzung für den Leser. Dessen Zeit muss mir so wichtig sein wie meine eigene.

Auf einen weiteren Punkt, der vor allem für die Verfasser von Texten wichtig ist, weisen sie auch hin: Schwer verständliche Texte beeinträchtigen die Klarheit des Denkens (Langer, Sich verständlich ausdrücken, Seite 10). Wer damit beschäftigt ist, einen komplizierten Text zu verfassen, kann nicht so gut darauf achten, ob der Inhalt richtig und vollständig ist. Das ist ein wenig so, als würde man in einer Fremdsprache schreiben. Umgekehrt gilt: Wer sich für seine Leser um Verständlichkeit bemüht, erleichtert sich selbst das Denken. Wer einfach, kurz und gut gegliedert schreibt, trainiert damit das eigene Denken und Verstehen (Langer, Sich verständlich ausdrücken, Seite 155).

Die inhaltliche Orientierung an den Bedürfnissen und Interessen der Mieter führt allerdings nicht automatisch zu verständlichen Texten. Dazu muss man auch einige formale Kriterien beachten, die sich als hilfreich erwiesen haben. Lange Wörter und Sätze sowie Fremdwörter sind Merkmale schwer verständlicher Texte. Man sollte daher kurze Wörter und Sätze sowie möglichst keine Fremdwörter verwenden. Diese plakative Formel dürfte allgemein geläufig sein. Wir werden im Folgenden anhand des schon Ende der sechziger Jahre von Langer, Schulz von Thun und Tausch entwickelten Hamburger Verständlichkeitsmodells näher darauf eingehen.

Anschließend geben wir einige Ratschläge, wie man verständlich formulieren kann und wie Gestaltungsrichtlinien Wohnungsunternehmen unterstützen können, verständliche Texte zu formulieren.

Das Bemühen um Verständlichkeit ist nicht nur ein Gebot der Mieterorientierung und eine ästhetische Voraussetzung für einen relevanten Text, sondern auch rechtlich von Belang. Mietverträge sind die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Vermieter. Für die gilt daher auch § 305 Absatz 2 Nummer 2 BGB. Danach muss der Vermieter dem Mieter die Möglichkeit verschaffen, in zumutbarer Weise vom Inhalt des Mietvertrages Kenntnis zu nehmen. Dazu gehört nicht nur, dass der Mietvertrag nebst eventuellen Anlagen überhaupt vorliegt. Dazu gehört nach § 307 Absatz 1 Satz 2 BGB auch, dass die Bestimmungen des Mietvertrages klar und verständlich sind (Mehr dazu in unserem Beitrag „Mietvertragsmuster”).

Bild: Crazy Cloud / Fotolia

 

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